July 29

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Nachhaltigkeit im Einkauf – Interview mit Thomas Vierhaus (VTH)

By Felix Kogler

July 29, 2021

einkauf, nachhaltigkeit

Thomas Vierhaus (Verband Technischer Handel) erklärt in diesem Interview, warum Nachhaltigkeit im Einkauf immer wichtiger wird, wie man Nachhaltigkeitskonzepte umsetzt und weshalb ein nachhaltiger Handel uns alle voranbringt.

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Unser Interviewpartner: Thomas Vierhaus

Thomas Vierhaus ist als Hauptgeschäftsführer des VTH (Verband Technischer Handel) tätig. Etwa 70% des Gesamtumsatzes im Industriebedarfshandel in der DACH-Region entfallen auf die Mitgliedsfirmen des VTH.

Im Team erreicht man mehr - deshalb sieht sich der VTH als Service-Betrieb für seine Mitglieder an. Unternehmerinnen und Unternehmer werden operativ zu verschiedensten Themen beraten. In diesem Rahmen werden außerdem Service-Materialien erstellt, um die Mitglieder zu informieren. 

Außerdem ist der VTH als Schulungsbetrieb für seine Mitglieder tätig. Hier können sich diese weiterbilden, beispielsweise zum Thema Führung, Mitarbeiterbindung, Digitalisierung etc. Dabei profitieren die Mitglieder auch von Kooperationen mit Softwareanbietern.

Wie nachhaltig ist deine Lieferkette?

Nachhaltigkeit beim VTH

Nachhaltigkeit ist für den VTH ein höchst relevantes Thema. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der Umwelt, sondern auch um das nachhaltige Wirtschaften. Hier geht es vor allem darum, dass sich die Mitglieder-Unternehmen an das Sorgfaltspflichten-Gesetz halten.

Die Maßnahmen hierzu finden grob in drei unterschiedlichen Bereichen statt:

  • entlang der Lieferkette
  • im Einkaufsbereich des eigenen Unternehmens
  • auf der Produktebene.

Außerdem spielen weitere betriebliche Maßnahmen eine Rolle, wie beispielsweise die nachhaltige Ausrüstung mit Solarenergie etc.

Wie kann ich als kleiner Händler prüfen, ob sich meine Lieferanten an anderen Standorten tatsächlich an die Nachhaltigkeits-Vorgaben halten?

Die Vorgaben sollten eine Rolle in der Beschaffungsstrategie spielen. Schon die Verantwortlichen im Einkauf sollten über Nachhaltigkeitsthemen informiert und sensibilisiert sein.

Um das Thema insbesondere gegenüber den kleineren Lieferanten zu kommunizieren, sollte umfassend informiert und ggf. der Ist-Zustand der Lieferanten betrachtet werden. Mithilfe von Fragebögen und Lieferantengesprächen erhalten die Lieferanten Unterstützung vom VTH. Das Thema Nachhaltigkeit sieht häufig furchteinflößender aus, als es ist.


An welchen Standards kann man sich orientieren, wenn es um Nachhaltigkeit in den oben genannten Bereichen geht?

Da gibt es viele Kriterien, auf die man schauen kann:

  • Qualitätsmanagementsysteme (ISO 9001)
  • Arbeitsschutzmanagementsysteme (ISO 45001)
  • Risikomanagementsysteme (ISO 31000)
  • Umweltmanagementsysteme (ISO 14001)
  • Energiemanagementsysteme (ISO 50001)

Je mehr dieser Standards vorliegen, desto besser.

Weiters kann man nachfragen, ob beispielsweise die Menschenrechte in den Grundsätzen des Unternehmens explizit verankert sind. Oder ob es Sparmaßnahmen bezüglich Umwelt und Energie gibt. Gegebenenfalls liegt sogar ein Maßnahmeplan zum Management der Umweltauswirkungen des Unternehmens vor, wie um beispielsweise den Ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.

In jedem Fall sollte das Gespräch mit diesen Lieferanten gesucht werden. Werden bestimmte Standards nicht eingehalten, so sollte man sich fragen, ob man die Kooperation mit diesem Lieferanten weiterführen will.

Welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen setzen deine Partnerunternehmen um?

Wie geht man mit einer Verschärfung der Regularien um?

Zuerst sollten die strategischen Lieferanten und die Stammlieferanten auf die anstehenden Veränderungen angesprochen werden. Über einen Zeitraum von zwei bis 3 Jahren können die neuen Regularien dann umgesetzt werden. 

Wichtig ist, das Thema Nachhaltigkeit behutsam umzusetzen. Dafür muss der Einkauf informiert und unterstützt werden. Es sollte aber auch klar gemacht werden, dass es sich nachteilig auf den Einkauf auswirken könnte, wenn dieser die neuen Regularien nicht umsetzt. 


Bedeutet ein nachhaltiger Einkauf auch einen Vorteil beim Kunden?

Definitiv bedeutet ein nachhaltiger Einkauf einen Wettbewerbsvorteil. Dies kann auch dem Kunden kommuniziert werden. 

Argumente für die Wahl eines nachhaltigen Einkaufs beim Kunden:

  • Minimierung von Ausfallrisiken
  • Versorgungssicherheit
  • Senkung der Kosten

Schon jetzt, nach der Verabschiedung des Lieferkettengesetzes, kommen viele Großkunden auf ihre Händler zu und sprechen das Thema Nachhaltigkeit gezielt an. Das Interesse ist groß, vor allem weil die Maßnahmen des Lieferkettengesetzes ab 2023 verpflichtend sein werden. Nachhaltigkeitsaspekte werden somit zur zukünftigen Voraussetzung im Handel. 

Auch deine Kunden kaufen deine Produkte lieber, wenn sie gewisse Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards erfüllen.

Werden die Kunden die Preiserhöhungen, die mit diesen Aspekten einhergehen, auch bezahlen?

Thomas Vierhaus (VTH) schätzt, dass diese Entwicklung positiv verlaufen wird. Denn auch die Kunden werden für das Thema sensibilisiert und fragen aktiv nach, welche Standards eingehalten werden. Dafür ist jedoch auch eine Information der Kunden erforderlich.


In welchen Bereichen ist es jetzt besonders wichtig, die Zusammenarbeit zwischen Kunde und Lieferant zu verbessern?

Die oben genannten Managementsysteme (Qualitäts, Risikomanagement etc.) sollten auch auf die vor- und nachgelagerten Player des eigenen Unternehmens ausgeweitet werden. Also auf die Kunden und die Lieferanten. 
Mit den Lieferanten könnten beispielsweise Aspekte wie der Energieverbrauch, mit dem Kunden zum Beispiel das Produktdesign abgesprochen werden. Eine ganzheitliche Zusammenarbeit könnte zu einer Steigerung der Zufriedenheit aller Beteiligten führen. Aber auch Aspekte wie Risikovermeidung sind ein Thema, das im Team einfach besser funktioniert.

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Können Softwaresysteme durch Automatisierung der Prozesse zu einem längerfristig gleichbleibenden Preis beitragen - obwohl die Qualität der Produkte steigt?

Zu Beginn der Umstellung auf die neuen Nachhaltigkeitsstandards werden, aufgrund des Aufwands in der Einführung und Umsetzung, die Kosten erst einmal steigen. Aber was dann?

Es könnte sein, dass die Produkte mit den neuen Standards auch an Qualität gewinnen. Dies muss im Einzelfall betrachtet werden. In jedem Fall wird sich aber die Qualität der Zusammenarbeit entlang der Lieferkette und bis zum Kunden verbessern. Denn auf Nachhaltigkeit zu achten bedeutet auch, den Planeten zu schützen und somit langfristig zu profitieren.

Über den autor

Blickt auf über 7 Jahre als Geschäftsführer einer Marketingagentur zurück und kennt die Herausforderungen des Mittelstands genau. Felix Kogler liebt es, manuelle Tätigkeiten durch automatisierte Prozesse zu ersetzen. Dazu testet er ständig neue Tools und Lösungen, die er in Form von Videos oder Blogartikeln teilt.

Felix Kogler

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