SAP S/4 vs. SAP HANA – Definition, Unterschiede und Anwendung

Du denkst,  SAP S/4 und SAP HANA seien ein- und dasselbe? Wir erklären dir, weshalb es falsch wäre, diese beiden Namen gleichzusetzen. Los gehts!

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Die Unterschiede zwischen SAP S/4 und SAP HANA
(es gibt nämlich welche)

Kommen wir gleich zum Punkt.

SAP HANA ist eine Technologieplattform und umfasst unter Anderem die vieldiskutierte In-Memory Datenbank.

SAP S/4HANA ist SAPs Business Suite der nächsten Generation. Damit basiert sie auf der In-Memory Plattform SAP HANA und umfasst im so genannten "Digitalen Kern" eine ganze Reihe von Applikationen. Diese Kern-Applikationen können dann um Cloud-Anwendungen ergänzt werden, die dann mit dem digitalen Kern integriert werden können.

Was ist eine In-Memory Datenbank?

Doch was heißt In-Memory Datenbank überhaupt und was bringt das Ganze?

In einem klassischen SAP-ERP System war die Datenbank auf einer Festplatte gespeichert. Sämtliche Daten für eine Operation wurden zunächst von der Festplatte gelesen und nach Ausführung der Operation wieder auf die Festplatte geschrieben.

Das bedeutete, dass die Performance des Systems immer auf die Schnelligkeit der Festplatte beschränkt war. Und Festplatten sind, verglichen mit dem Prozessor und dem Arbeitsspeicher, relativ langsam. Aus diesem Grund wurde die In-Memory Datenbank SAP HANA entwickelt. In-Memory bedeutet, dass die Datenbank nicht mehr auf einer Festplatte gespeichert wird. Sondern dass die Datenbank vollständig im Arbeitsspeicher des Servers gehalten wird.
Ein großer Flaschenhals von traditionellen DB-Systemen ist, dass in einer festplattenbasierten-Datenbank gespeicherte Daten nur langsam zum Prozessor übertragen werden können. Dadurch ergibt sich eine relativ schlechte Performance.
Durch neue Trends wie Big Data und IoT (Internet of Things) steigt zunehmend die Erwartungshaltung, Systemdaten schneller und schneller verarbeiten zu können. Beispielsweise um dynamische Auswertungen und Analytics durchführen zu können.
Diese erhöhte Performance kann durch die direkte Speicherung der DB im Arbeitsspeicher sichergestellt werden.

Weiters gibt es mit Konzepten wie dem Code-Pushdown auch die Möglichkeit, rechenintensive Prozesse von der Anwendungsebene in die Datenbankebene zu verlagern. Damit wird eine höhere Performance erreicht.

In-Memory Herausforderungen

Wahrscheinlich hast du dich jetzt gefragt: "Moment, der Arbeitsspeicher ist doch kein permanenter Speicher. Sobald der Rechner neu gestartet wird oder der Strom ausfällt, ist dann die komplette DB weg."
Das stimmt. Und das ist auch ein Problem welches bei einer solchen Technologie berücksichtigt werden muss. Aus diesem Grund wird die DB aus dem Arbeitsspeicher regelmäßig auf eine Festplatte gesichert.
Doch was passiert mit den Daten, die sich seit der letzten Sicherung geändert haben?
Diese werden laufend in ein so genanntes Transaktionslog geschrieben. So kann keine Datenänderung verloren gehen.
Ein weiteres Problem ist natürlich auch die Größe der Datenbank. Traditionellerweise spielte es nicht wirklich eine Rolle wie groß die Datenbank wurde, da sie sowieso auf einer Festplatte gespeichert wurde. Obwohl sich die Preise von Arbeitsspeichern in letzter Zeit laufend verringert haben, und immer größere Kapazitäten verfügbar waren, ist Arbeitsspeicher trotzdem eher nur im GB-Bereich verfügbar, verglichen mit TB bei Festplatten.
Deswegen war die Verkleinerung und Vereinfachung des klassischen Datenmodells eine Grundvorraussetzung für eine In-Memory Datenbank im SAP-Bereich. Damit passt die komplette Datenbank in den Arbeitsspeicher.
Dies wird einerseits durch eine Spaltenorientierung der Datenbank erreicht, andererseits durch die Reduzierung von Aggregats- und Historientabellen.

 

SAP S/4

Wie bereits erwähnt ist S/4 die SAP Business Suite der nächsten Generation.
Dabei wurde ein Hauptaugenmerk auf Simplifizierung gelegt. Unter dem Buzzword Principle of One wurden Redundanzen aus älteren Versionen abgeschafft. Früher gab es bspw. das alte und neue Hauptbuch, einen ABAP und einen Java Stack, etc. Dies wurde vereinheitlicht. So gibt es jetzt z.B. nur noch ABAP. Wie bereits besprochen wurde auch eine redundante Datenhaltung abgeschafft.
Der digitale Kern stellt dabei diverse Anwendungen zur Verfügung und wird in einen branchenübergreifenden Bereich, Line-of-Business Produkte, branchenspezifische Anwendungen und Compatibility Packs unterteilt.
Der branchenübergreifende Bereich wird auch SAP S/4HANA Enterprise Management genannt und umfasst gemeinsam mit den Line-of-Business Produkten u.a. die folgenden Bereiche: Sales, Service, Sourcing & Procurement, Supply Chain, Finance, Manufacturing, Asset Management, Analytics Technology und ein vereinfachtes Human Ressources mit Success Factors Connectivity.
Für die folgenden Branchen stehen Branchenlösungen zur Verfügung: Agriculture, Automotive, Banking, Insurance, Oil & Gas, Professional Services, Public Sector, Retail & Fashion, Utilities, Waste & Recycling.
SAP stellt zusätzlich zu den Anwendungen im Digitalen Kern auch noch Compatibility Packs zur Verfügung, die in einer SAP S/4HANA Installation betrieben werden können. Dabei werden für einen beschränkten Zeitraum gewisse Funktionalitäten, die aus SAP ECC 6.0 bekannt sind, auch noch zur Verfügung gestellt. Dies soll den Umstieg von R/3 auf S/4HANA erleichtern.
Die Compatibility Packs erstrecken sich über praktisch alle Bereiche wie Vertrieb, Rechnungswesen, Instandhaltung und Personalwesen. Exemplarisch sei hier der Bereich Vertrieb erwähnt. In diesem Compatibility Pack sind das Vertriebsinformationssystem, Bonusabsprachen und der Produktkatalog enthalten.

 

Cloud Anwendungen

In SAP S/4HANA stehen nicht mehr all jene Anwendungen zur Verfügung, die noch in SAP ECC 6.0 enthalten waren.

Welche Anwendungen im Digitalen Kern enthalten sind, das haben wir ja bereits angeschnitten. Eine vollständige Liste findet sich in der so genannten SAP Simplification List.

Zusätzlich zum Digitalen Kern bietet SAP Cloud Anwendungen an. Diese Anwendungen der SAP Cloud Platform können als Ergänzung oder Ersatz bestehender Anwendungen verwendet werden. Sie sind in SAP S/4HANA integrierbar.

Die meisten Cloud Anwendungen basieren auf Unternehmenszukäufen spezieller Softwareanbieter in den jeweiligen Bereichen.

Nachfolgend eine kurze Übersicht über die vorhandenen Cloud Anwendungen:

SAP Success Factors für Personal

SAP Success Factors umfasst Lösungen für HR-Kernprozesse, das Talent Management und HR-Analysen. Es wird dabei der Prozess von der Stellenausschreibung über die Einstellung bis hin zur Weiterbildung und Nachfolgeplanung abgedeckt.

SAP Concur für Reisemanagement

SAP Concur bietet cloudbasiertes Reisemanagement. Dabei kann sowohl die Reiseplanung als auch die Reisekostenabrechnung abgewickelt werden. Weiters gibt es ein Reporting und auch Lokalisierungsfunktionen, wo man sehen kann, wo sich welcher Mitarbeiter gerade befindet.

SAP Ariba als Einkäufer/Lieferanten-Netzwerk

SAP Ariba stellt ein cloudbasiertes Geschäftsnetzwerk zur Verfügung. Dabei können Beschaffungs- und Lieferantenprozesse optimiert werden. Dies umfasst die strategische Beschaffungsplanung, Lieferantenmanagement, Informationsaustausch innerhalb der Lieferkette und das Rechnungsmanagement.

SAP C/4 und SAP Hybris für CRM und E-Commerce

SAP C/4HANA ist die Customer Relationship Management Suite der 4. Generation und stellt den Nachfolger von SAP CRM und SAP Hybris dar. SAP C/4HANA ermöglicht die Interaktion mit Kunden in den Bereichen Marketing, Vertrieb, Service, Handel und Abrechnung sowie die Abdeckung von E-Commerce.

SAP Fieldglass für Personaldienstleistungen

Mit SAP Fieldglass können externe Personaldienstleistungen optimiert, und damit externe Mitarbeiter abgewickelt werden. SAP Fieldglass umfasst ebenfalls auch ein Netzwerk an Dienstleistern, an die man die benötigte Dienstleistungen ausschreiben kann.

SAP Leonardo also Innovationsplattform.

SAP Leonardo ist die cloudbasierte Innovationsplattform der SAP. Damit wird es Unternehmen möglich schnell neue Technologien in die Prozesse zu integrieren. SAP Leonardo umfasst u.a. 6 Technologiebereiche: Machine Learning, Big Data, Analytics, Data Intelligence, Internet of Things sowie Blockchain.

S/4HANA - Praktisch am Beispiel der Lederhosen AG

Das war jetzt eine ganze Menge Theorie oder?
Schauen wir uns das Ganze anhand unseres fiktiven Unternehmens der "Lederhosen AG" an. Die Lederhosen AG ist ein mittelständisches Traditionsunternehmen und produziert und verkauft Trachtenmode wie Lederhosen und Dirndln. Dabei gilt es die hauseigenen Laden-Geschäfte sowie den Online Shop und Händler mit Produkten zu versorgen.

Die Lederhosen AG setzte bislang auf SAP R/3 und ist gerade dabei den Umstieg auf SAP S/4HANA zu evaluieren. Einer der größten Trigger war, dass das Management schnellere und dynamische Auswertungen wollte, die durch die HANA Technologie ermöglicht werden können. Neben dem Digitalen Kern ist geplant, die Kundenbeziehungen über C/4HANA abzuwickeln.
Weiters sind die Möglichkeiten, die SAP Leonardo in den Bereichen Machine Learning und Analytics bietet, in mehreren Unternehmensbereichen auf positive Resonanz gestossen.
Gesagt getan, das Upgradeprojekt von SAP R/3 auf S/4HANA wurde vom Management freigegeben. Nach der erfolgreichen Abwicklung des Projekts freut sich vor allem das Management auf ein dynamisches Reporting der Daten. Die Innovationsabteilung der Lederhosen AG kann nun mit der Hilfe von AI und Machine Learning neue Trends leichter erkennen und proaktiv das Unternehmen steuern.

Auf einen Blick

Fassen wir noch einmal kurz zusammen.
SAP HANA ist eine Technologieplattform und umfasst unter anderem die In-Memory Datenbank.
Mit der In-Memory Datenbank kann ein enormer Performance Boost erreicht werden - damit eröffnen sich komplett neue Möglichkeiten im Bereich Dynamic Analytics.
SAP S/4HANA ist SAPs Business Suite der nächsten Generation. Diese basiert auf der In-Memory Plattform SAP HANA und umfasst im so genannten "Digitalen Kern" eine Reihe von Applikationen. Zusätzlich dazu gibt es dann mit der SAP Cloud Platform auch noch die Möglichkeit eine Reihe weiterer Anwendungen in Bereichen wie Human Resources, Reisemanagement oder auch Customer Relationship Management.




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Head of Consulting at Systempilot
Mit über 10 Jahren Erfahrung in der Umsetzung komplexer IT- und SAP Projekte für europäische Großunternehmen bringt Michael Schnepf wertvolles Know-How im Digitalisierungsbereich bei Systempilot ein. Im Systempilot Digitalisierungs-Blog und im Systempilot YouTube Kanal gibt er seine Erfahrungen regelmäßig weiter.